Das Farbsehen der Säugetiere

Farbsehen bei Hund, Katze, Maus und Pferd

Unter der Herrschaft der Dinosaurier lebten die frühen Säugetiere in Höhlen und waren nachtaktive Tiere. Wahrscheinlich verloren sie in dieser Zeit den dritten Fotorezeptor-Typ, den ihre Vorfahren schon aus dem Meer mitgebracht hatten.

Als die Säugetiere nach dem Aussterben der Dinosaurier endlich zum Zuge kamen, war die Erde ein dunkler Ort voller Asche und Wolken.

Die kleinen Säuger hatten ein Fell und konnten ihre Körpertemperatur selber regulieren – so entwickelte sich ihr Sehen für dämmriges Licht und es bestand wohl keine Notwendigkeit, ein ausgeprägtes Farbsehen zu entwickeln.

Die kleinen Säugetiere brauchten ein gutes Helligkeitssehen – Farben haben ihnen wohl nicht viel genützt, denn noch vor 150 Mio Jahren war die Welt nur grün und braun, nur Nadelhölzer und Farne. Der Valentinstags wäre mangels bunter Blumensträuße ausgefallen.

Nager wie Ratten und Mäuse sind nachtaktive Tiere und so wird ihre Retina von den Stäbchen dominiert. Nur etwa 3 bis 5% ihrer Fotorezeptoren sind Zapfen. Mäuse sind wie die meisten Säugetiere Dichromaten mit zwei Zapfenpigmenten für Grün (510 nm) und Blau (ca. 350 nm).

Wie Hunde Farben sehen …

Auch große Hundeaugen können nur zwei Farben unterscheiden …

300 350 400 450 500 550 600 650 700 Empfindlichkeit (normalisiert) Wellenlänge (nm) Mensch Dichromaten (Hund, Pferd)

Hunde sind keineswegs farbenblind, sondern ebenfalls Dichromaten mit Empfindlichkeiten im blauen (430 nm) und gelben Spektralbereich (550 nm).

Color Vision, Jay Neitz, Joseph Carroll and Maureen Neitz

Die Rezeptorzellen in der Netzhaut von Hunden zeigt schon, dass Hunde Farben sehen. Aber während wir »VIBGYOR« sehen: Violet, Indigo, Blau, Grün, Gelb, Orange und Rot sehen, sehen Hunde “VIBYYYR” (Violet, Indigo, Blau, Gelb, Gelb, Gelb und Rot). Grün, Gelb und Orange sehen für Hunde immer gleich aus, aber unterscheiden sich von Rot und den verschiedenen Blau- und Purpurtönen. Blau-Grün erscheint Hunden Weiß.

- Dana K. Vaughan, Ph.D., Dept. of Biology, University of Wisconsin Oshkosh

Diese Darstellung ist mal wieder reine Spekulation – wir haben keine Ahnung, wie Farben von Tieren empfunden werden.

Ein ähnliches Farbspektrum sehen auch Pferde. Ob der Apfel rot oder grün ist: Das schert sie also wenig.

Dichromaten sehen ein etwa gleichgroßes Farbspektrum, aber bei tagaktiven Tieren ist es vom Blau bis zum Gelb-Grün verschoben, bei eher nachtaktiven Tieren vom UV bis zum Gelb.

Eine besondere Spezies sind ja die Beuteltiere – beim Ameisenbeutler (Numbat) konnte ebenfalls nachgewiesen werden, dass sie Trichromaten sind wie der Mensch.

363, 509 and 535 nm

Behavioural evidence for marsupial trichromacy

Farbsehen für die Katz?

Wie die meisten Säugetiere ist auch die Katze ein Dichromat – aber als nachtaktives Tier nutzt sie ihr Farbsehen wohl kaum.

Heute kann die Fähigkeit zum Farbsehen mit Hilfe der Mikrospektrophotometrie untersucht werden. Aber der Nachweis, dass die Pigmente vorhanden sind, ist kein Beweis, dass ein Lebewesen tatsächlich Farben sieht. Erst wenn sich eine Art auf Farben trainieren lässt, gilt das als Nachweis des Farbsehens.

Katzen lassen sich so gut wie gar nicht auf Farben dressieren. Neben der Untersuchung, ob und wie viele unterschiedliche Rezeptoren im Auge vorhanden sind, kann das Farbsehen einer Art nur erforscht werden, wenn sie sich auf Farben trainieren lässt. Hunde und Bienen lassen sich z.B. gut auf Farben trainieren, Katzen ignorieren Dressurversuche ja bekanntlich. Karl von Frisch war einer der ersten, der tierisches Farbsehen anhand von Dressur untersucht hat und nachwies, dass Bienen Farben sehen und voneinander unterscheiden.

Damit die Probanden nicht in Wirklichkeit auf verschiedene Helligkeiten reagieren, werden ihnen Farbmuster in unterschiedlicher Helligkeit und Sättigung vorgesetzt. So weiß man, dass Affen, Mäuse Hunde und Bienen tatsächlich auf Farben reagieren. Das setzt allerdings auch ein hohes Maß an Lernfähigkeit bei den Probanden voraus.

Hazel Rossotti: Colour: Why the World Isn't Grey. Princeton University Press, 1992, ISBN 0-6910-2386-7

Unter den Säugetiere besitzen nur Primaten drei Farbrezeptoren – Menschen und ein Teil der Affen. Hunde und Katzen hingegen sind Dichromaten mit zwei Arten von Zapfen.

Warum die Katze schlitzförmige Pupillen hat

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